Nebenberuflich selbstständig – einfach Sidepreneur werden

 

Bist du gerade in der Situation, dass du dich in einem Arbeitsverhältnis befindest, aber in deinem Kopf so eine Idee herumspukt? Würdest du am liebsten dein Hobby zum Beruf machen oder ein tolles Produkt, eine Dienstleistung selbstständig vermarkten?

Ist die Idee da, aber ganz viel hält dich noch zurück? 

 

Vielleicht spürst du eine Angst, eine Sorge, ob deine Idee funktioniert. Die Sorge, ob andere für deine Idee überhaupt Geld bezahlen würden. Die Sorge, ob du mit dieser Idee überhaupt deinen Lebensunterhalt verdienen könntest.

Falls du dich in dieser Beschreibung wiederfindest, schlage ich dir vor, es doch einmal als Sidepreneur zu versuchen. Sidepreneur zu sein, heißt nichts anderes als sich nebenberuflich selbstständig zu machen.

 

Es beginnt mit einer Idee

 

Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die sich in ihrer Freizeit mit einem bestimmten Thema beschäftigen, mit dem sie sich inzwischen besonders gut auskennen, sich fast schon zu einem Experten entwickelt haben. Unterhält man sich mit ihnen, merkt man, wie sie für dieses Thema brennen. Spricht man mit ihnen über den von ihnen ausgeübten Sport oder über ihren Musikauftritt am Wochenende, sieht man förmlich die Begeisterung in ihren Augen.

 

Wie sieht es bei dir aus? Bist du z.B. ein wahrer Reise- oder ein gut informierter Ernährungsexperte, jemand, der in seiner Freizeit die tollsten Bastelideen erstellt, wunderbare kleine Filme produziert oder ein wahrer Hundeflüsterer ist?

Vielleicht hast du aber auch eine geniale Idee für ein Produkt, das du gerne

auf den Markt bringen würdest.

Wenn du über eine solches Herzensthema verfügst, also über ein ausgeprägtes Interesse an einem bestimmten Bereich und du den Wunsch spürst, diese Leidenschaft, diese Idee monetär umzusetzen, ist dies sicherlich schon die beste Voraussetzung für Unternehmertum. Wahrscheinlich wünschst du dir auch, endlich dein eigener Herr zu sein, dir deine Arbeitszeit selbst einzuteilen. Wenn du nur wüsstest, ob die Idee funktioniert.

 

Bin ich ein Unternehmer?

 

Vielleicht bist du dir aber auch nicht sicher, ob du selbst überhaupt ein Mensch bist, der zum Unternehmer taugt. Denn wenn man ehrlich ist, setzt das Unternehmertum, der unternehmerische Erfolg bestimmte Fähigkeiten, die über das Fachwissen hinaus gehen, und auch eine bestimmte Haltung voraus, von der du nicht unbedingt im Vorhinein weißt, ob du diese in ausreichendem Maße mitbringst.

 

So reicht es nicht, eine tolle Idee zu haben, sondern du musst auch in der Lage sein, diese in ein funktionierendes Konzept umzusetzen, die das Interesse deiner Käuferschaft findet. Diese Idee hat auch keine Chance, wenn sie nur in deinem Kopf stattfindet, sondern du musst dein Produkt auch auf dem Markt einführen und bekannt machen, d.h. du musst dir auch Marketingfähigkeiten aneignen. Gerade, wenn du eine Dienstleistung anbieten möchtest, musst du bereit sein, dich als Person sichtbar zu machen und Kontakte zu Interessenten knüpfen. Du musst dich vielleicht mit Webseitenerstellung beschäftigen, vielleicht auch mit Social Media. Natürlich kannst und solltest du dich dabei von Profis unterstützen lassen. Aber du musst wissen, wer dein Zielkunde ist und dich damit beschäftigen, wie dein Marktauftritt aussehen soll, denn ein guter Unternehmer sollte wissen, wofür er steht.

 

Unternehmer zu sein heißt auch, die Bereitschaft mitzubringen, in deine Idee, dein Produkt zu investieren, ohne zu wissen, ob sich dein Investment auszahlen wird. Bist du bereit, dieses Risiko zu tragen? Andererseits solltest du natürlich die Fähigkeit besitzen, die Übersicht über deine Finanzen zu behalten, damit dein Risiko für dich auch kalkulierbar bleibt.

 

Bevor du also ein Business startest, gibt es einiges zu klären und zu bedenken. Das Gesamtkonzept muss geplant und stimmig sein. Idealerweise erstellst du dir hierfür einen eigenen Businessplan. Lasse dich jedoch nicht durch diese Anforderungen von einer Selbstständigkeit abhalten. Gerade, wenn du ein Herzensthema hast, dass dich wirklich begeistert, möchte ich dich auf jeden Fall ermutigen, die Selbstständigkeit ernsthaft für dich zu prüfen. In einer aktuellen Umfrage des Yougov Meinungsforschungsinstituts sagen fast 60 Prozent der Selbstständigen, dass sie auch dann arbeiten würden, wenn es aus finanzieller Sicht nicht mehr nötig wäre. Unter Angestellten sagen das nur 36 Prozent. Dieses Ergebnis macht deutlich, zu welcher tiefen Zufriedenheit die Arbeit als Selbstständiger führen kann.

 

Der Start mit einer nebenberuflichen Tätigkeit

 

Damit dich die Sorge, die Angst vor dem Risiko, nicht bereits an diesem Punkt zurückhält, möchte ich dir vorschlagen, zunächst mit einer nebenberuflichen Selbstständigkeit zu beginnen. Der Start als Sidepreneur gibt dir die Möglichkeit herauszufinden, ob deine Idee funktioniert. Gleichzeitig hast du aber noch den finanziellen Rückhalt durch dein bestehendes Arbeitsverhältnis. Du kannst in Ruhe und ohne allzu viel Druck beginnen, dein Geschäftsfeld aufzubauen. Du erarbeitest ein Konzept und entwickelst es idealerweise stetig mit Hilfe deiner anfänglichen Kunden weiter. Sie werden dir zeigen, was funktioniert und was du noch verändern musst. Du wirst dich idealerweise weiterbilden, zusätzliche Fortbildungen besuchen, um deinen Expertenstatus auszubauen. Es erfordert eine hohe Bereitschaft Neues zu lernen und auszuprobieren, aber das alles kannst du dir so einrichten, dass es für dich zeitlich passt.

 

Interessant ist für dich vielleicht auch, dass du die Kosten, die durch eine Krankenversicherung entstehen, erst einmal auf deine Angestelltentätigkeit begrenzen kannst. Denn solange deine hauptberufliche Tätigkeit von der wirtschaftlichen Bedeutung und dem zeitlichen Aufwand her deine Nebenerwerbstätigkeit deutlich übersteigt, bleibst du wie gewohnt krankenversichert und musst keine weiteren Beiträge bezahlen. Bei Vollzeitarbeitnehmern stellt sich diese Frage sowieso nicht. Arbeitest du aber in Teilzeit oder mit reduziertem Stundenumfang, erkundige dich bei deiner Krankenkasse, wann sich deine nebenberufliche Tätigkeit aus ihrer Sicht in eine hauptberufliche wandelt.

 

Ich fasse dir also noch einmal die Vorteile zusammen:

 

     - finanzielle Sicherheit durch deine Angestelltentätigkeit

    - finanzielle Vorteile bei der Krankenversicherung

          - langsames Testen, ob deine Idee funktioniert bzw. ob dein Produkt vom       Markt angenommen wird

- langsames Hineinwachsen in die Rolle des Unternehmers

- stetiges Verbessern deines Konzeptes ohne zeitlichen und finanziellen  

  Druck

- langsamer Aufbau eines Kundenstammes, der dir idealerweise durch    

  Empfehlungsmarketing neue Kunden bringt 

    - freie Zeiteinteilung

 

Welche besonderen Herausforderungen hat das Sidepreneurship?

 

Als Sidepreneur hat man aber auch einige Herausforderungen zu meistern. So musst du zum Beispiel bereit sein, viel Kraft in dein neues Business zu stecken. Denn während es sich dein Kollege nach der „Tagesmüh“ zu Hause bequem macht, beginnst du dich mit deinem Business zu beschäftigen.

 

Während andere das Wochenende genießen, sitzt du an deinem Schreibtisch, um dein Konzept zu verbessern oder Fortbildungen zu besuchen. Falls du Familie hast, solltest nicht nur du von der Idee des Sidepreneur begeistert sein, sondern auch sie sollte deine Idee mittragen. Sie wird in Zukunft häufig auf deine Anwesenheit verzichten müssen.

 

Trotz deines Aufwands stellt sich der Erfolg nicht sofort ein. Du brauchst Durchhaltevermögen, einen langen Atem und du musst an deine Idee glauben - ebenso wie es auch ein Vollzeitunternehmer tun sollte.

 

Überlege auch, wie du die Kommunikation mit deinen Kunden führst. Sie wird durch deinen Haupterwerb erschwert, da du voraussichtlich nicht jederzeit erreichbar sein wirst. Wie und wann kann dein Kunde dich kontaktieren?

 

Du solltest dich selbst gut organisieren können, also über ein gutes Zeitmanagement verfügen. Denn all diese Herausforderungen, die nun auf dich als Sidepreneur zukommen, erfordern eine gute zeitliche Planung, idealerweise ein straffes Selbstmanagement.

 

Und zu guter Letzt gibt es natürlich Geschäftsmodelle, die als Sidepreneur eher weniger gut funktionieren. Das sind Geschäftsmodelle, bei denen von Anfang an so hohe Fixkosten entstehen, dass du sie mit einer nebenberuflichen Tätigkeit nicht leicht ausgleichen kannst. Fixkosten sind feststehende Kosten, die unabhängig von deiner Auftragslage sind. Wenn du z.B. ein Café eröffnen möchtest, fällt monatlich die Miete an, egal ob du Besucher hast. Wenn du als Sidepreneur nur am Wochenende öffnen kannst, wirst du voraussichtlich zu wenig Umsatz erzielen, um die anfallenden Kosten durch deine Gewinne ausgleichen zu können. Gleiches gilt, wenn du z.B. ein Lager anmieten musst, um dein Produkt vor dem Verkauf aufbewahren zu können.

 

Ganz anders ist es, wenn du dich mit beratenden Tätigkeiten selbstständig machen möchtest. Möchtest du ausschließlich online arbeiten, z.B. als virtuelle Assistentin, sind die Kosten überschaubar. Möchtest du Kunden vor Ort beraten, kannst du vielleicht einen Raum deiner eigenen Wohnung nutzen. Du siehst, schon dein Geschäftsmodell entscheidet mit darüber, ob du als Sidepreneuer beginnen solltest.

 

Wenn du jetzt die Idee der nebenberuflichen Selbstständigkeit spannend und interessant findest und du denkst, die besonderen Herausforderungen stemmen zu können, kann ich dich in deinem Vorhaben nur unterstützen. Ich selbst habe als Sidepreneur begonnen und ich habe meine Coachingtätigkeit über viele Jahre als ausschließliche Nebentätigkeit ausgeübt. Warum? Mir machte auch mein Hauptberuf Spaß und ich wollte idealerweise beide Tätigkeiten miteinander verbinden. Das funktionierte bei mir auch deshalb so gut, weil mein Hauptberuf keine Vollzeitstelle war.

 

Die Gefahr, die allerdings bei einer lang andauernden Nebentätigkeit besteht, ist, dass du ihr nie die volle Aufmerksamkeit widmen kannst, die notwendig ist, um mit deinem Business ein hohes Level zu erreichen. Du verteilst deine Kräfte auf zwei Tätigkeiten und das macht sich bei der Entwicklung deines Geschäftsfeldes sehr wahrscheinlich bemerkbar. Deshalb kam auch für mich irgendwann der Zeitpunkt der Entscheidung.

 

Aber beginne ruhig langsam mit dem Aufbau deiner Geschäftsidee. Wenn du merkst, dass sie funktioniert und du dafür mehr Zeit benötigst, sprich doch mit deinem Arbeitgeber zunächst über eine Stundenreduzierung.  Und irgendwann wirst auch du bemerken, wann es Zeit ist, zu gehen.

 

Der Arbeitgeber als Hindernis?

 

Habe erst einmal auch keine Angst, dass dir dein Arbeitgeber die nebenberufliche Selbstständigkeit versagt. Ein pauschales Verbot in deinem Arbeitsvertrag ist nicht wirksam.

 

Aber ohne, dass ich an dieser Stelle zu sehr ins Detail gehen möchte und du dich im Zweifel rechtlich beraten lassen solltest, möchte ich dir sagen, dass es  durchaus möglich ist, dich im Tarif- oder Arbeitsvertrag zu verpflichten, deine nebenberufliche Selbstständigkeit zumindest anzuzeigen und unter gewissen Umständen, d.h. nur in engen Grenzen, darf dein Arbeitgeber auch die Zustimmung versagen. Das wäre z.B. der Fall, wenn du mit deiner Nebentätigkeit deinem Chef Konkurrenz machen würdest.

 

Aber auch, wenn du eine Anzeigepflicht weder in deinem Tarif- oder Arbeitsvertrag findest, kann der Arbeitgeber deine Nebentätigkeit untersagen, wenn du deine Haupttätigkeit nachweisbar nicht mehr gewissenhaft ausübst, z.B. sie zu ständiger Übermüdung und Fehlern führt.

 

Aus meiner Sicht spricht auch vieles dafür, deine Selbstständigkeit ohne eine solche Anzeigepflicht gegenüber deinem Arbeitgeber offenzulegen. Erfährt dein Chef durch Umwege von deinem Tun, hinterlässt es bei ihm eher einen Beigeschmack. Erzähle ihm, was du vorhast und versichere ihm, dass deine Arbeit bei ihm keinesfalls darunter leiden wird. Vielleicht schätzt er es sogar, dass du motiviert, weiterbildungswillig und tatkräftig bist.

 

Mein letzter Tipp zum Schluss: Kläre vor dem Beginn deiner Selbstständigkeit, ob du ein Gewerbe anmelden musst oder ob du ein Freiberufler bist. Das ist wichtig, weil sie steuerlich unterschiedlich behandelt werden und unterschiedliche Anmeldungen erfordern. Im Zweifel frage einfach bei deinem zuständigen Finanzamt nach. Dort wird man dir weiterhelfen.