Beruflicher Neuanfang trotz Corona - warum nicht?

 

Spürst du gerade in letzter Zeit, dass der Job keinen Spaß mehr macht? Du fühlst dich zunehmend genervt oder überfordert und der Gedanke, jetzt noch länger auf deinem Arbeitsplatz verharren zu müssen, bringt dich ganz schön ins Schwitzen?

 

Viele, die sich in letzter Zeit gefragt haben, ob sie sich beruflich neu orientieren sollen, legen diese Pläne aufgrund der Coronakrise erst einmal ad acta. Ein Jobwechsel, wenn Unternehmen ihre Stellenangebote reduzieren? Ein Neustart in wirtschaftlich unsicheren Zeiten? Ich möchte dir in meinem Artikel zeigen, warum du jetzt nicht untätig bleiben solltest und Anregungen geben, wie du die Zeit nutzen kannst.

 

 

Ich gehe an dieser Stelle davon aus, dass du mit deiner Planung für einen Stellenwechsel noch nicht allzu weit fortgeschritten bist und ganz am Anfang deiner Überlegungen stehst. Sicherlich wirst du dich fragen, ob du deinen Wunsch nach Veränderung erst einmal ad acta legen solltest, bis die Coronakrise vorüber ist und sich die wirtschaftliche Situation in Deutschland wieder verbessert hat. Ich möchte dich ermutigen, die Veränderung trotz der widrigen Umstände schon jetzt konstruktiv anzugehen und strukturiert zu überlegen, wie dein neuer Job aussehen soll und welche deiner Stärken und Talente du zukünftig einbringen möchtest. Ein beruflicher Neuanfang ist selten ein Sprint, sondern vielmehr ein Marathon. Es ist ein Prozess, der davon lebt, dass du zunächst hinreichend Vorarbeit leistest, um schließlich zum gewünschten Ziel zu kommen.

 

Nutze jetzt die Zeit, um deinen Neuanfang zu planen und dir zunächst über die wichtigen Fragen klar zu werden. Kennst du deine Stärken und Talente überhaupt in dem Umfang, wie es für eine solche Entscheidung notwendig ist? Bist du dir darüber im Klaren, wie deine Zukunft idealerweise aussehen und was sich im Vergleich zum jetzigen Zustand ändern sollte? Eine solche Krise, wie wir sie zurzeit erleben, kann uns in vielen Bereichen helfen, unsere wahren Bedürfnisse zu erkennen. Ich bin mir sicher, dass der eine oder andere, der jetzt von seinem Arbeitgeber zum Home Office angehalten wurde, feststellt, dass das das Arbeitsmodel der Zukunft für ihn sein soll. Umgekehrt gibt es sicherlich auch diejenigen, die jetzt merken, dass sie so nicht dauerhaft arbeiten möchten, weil sie den unmittelbaren Kontakt zu den Kollegen vermissen und auch einmal heraus aus den eigenen vier Wänden möchten.

 

Vielleicht erlebst du auch gerade, dass du dich entschleunigt fühlst durch die Tatsache, dass du nicht mehr so viel unterwegs sein musst, weil viele Meetings per Videokonkurrenz erfolgen oder die abendlichen Termine komplett weggefallen sind. Meiner Erfahrung nach finden viele Menschen zu Beginn ihres Berufslebens die vielen Reisen und Zusammenkünfte mit anderen Menschen spannend und herausfordernd. Mit zunehmendem Alter und einer Familie im Hintergrund sind sie jedoch zu einer für sie unangenehmen Begleiterscheinung des Jobs geworden. Bei welcher Tätigkeit bekämst du mehr Ruhe in dein Leben?

 

Du hast die Möglichkeit, gerade jetzt zu erkennen, welche durch die Krise hervorgerufenen Veränderungen dir in deinem jetzigen Job guttun und welche dir nicht gefallen. Deine Wahrnehmung in dieser Zeit verstärkt auf die eigenen Bedürfnisse zu richten, kann eine Chance für dich sein, die sich sonst so nicht geboten hätte.

 

Vielleicht befindest du dich auch aufgrund akuten Arbeitsmangels deines Arbeitgebers in Kurzarbeit. Solltest du bei deinen Wechselüberlegungen feststellen, dass dir für deine Wunschtätigkeit noch Qualifikationen oder entsprechendes Wissen fehlt, kannst du dir E-Learningangebote heraussuchen, die es dir auch von zuhause aus ermöglichen, neues Wissen zu erwerben. Durch die Krise werden gerade jetzt viele solcher Angebote neu entwickelt und ich bin mir sicher, zukünftig wird hiervon noch viel mehr auf dem Markt zu finden sein.

 

Überlege auch, welche Menschen in deinem weiteren Umfeld behilflich sein können, dich bei deiner Neuorientierung zu unterstützen. Gerade über den indirekten Arbeitsmarkt werden viele Stellen vergeben. Nimm Kontakt zu alten Arbeitskollegen oder Studienfreunden auf und informiere sie darüber, dass du dich beruflich verändern möchtest. Vielleicht gibt es jemanden, der dich unterstützen oder dir wertvolle Tipps geben kann.  Eine Stellensuche auf dem verdeckten Arbeitsmarkt braucht jedoch Zeit und du kannst die jetzige Krise dafür nutzen.

 

Ich möchte dir aber auch eine Antwort auf die Frage, ob ein Jobwechsel in der Krise nicht auch ein Risiko bedeutet, nicht schuldig bleiben.

Insbesondere, wenn du seit längerem in einem Umfeld arbeitest, in dem du nicht befürchten musst, deinen Arbeitsplatz durch eine Kündigung zu verlieren und in dem auch das Kündigungsschutzgesetz für dich gilt, kann ein Jobwechsel durchaus ein Risiko bedeuten. Bei einem Jobwechsel unterliegst du voraussichtlich zunächst einer vertraglich vereinbarten Probezeit mit einer verkürzten Kündigungsfrist von lediglich vierzehn Tagen. Da ist die bisherige – zumindest gefühlte – Sicherheit erst einmal dahin. Insbesondere, wer noch für den Unterhalt einer Familie zu sorgen hat, möchte vielleicht ein solches Risiko, den Arbeitsplatz in einer Krisenzeit schnell wieder zu verlieren, zurzeit nicht eingehen. Insoweit muss jeder für sich eine sehr persönliche, wenn auch nicht ganz leichte, Entscheidung treffen.

 

Aus meiner Sicht spricht aber auch nichts dagegen, trotz der Krise weiter nach Stellenausschreibungen zu suchen, die zu deinem erarbeiteten Wunschprofil passen. Eine Bewerbung heißt ja noch nicht, dass du auch zusagen musst. Solltest du im weiteren Recruitingprozess des Unternehmens berücksichtigt werden, nutze doch einfach die Chance, Bewerbungsgespräche zu führen, um routinierter und gelassener zu werden. Zudem lernst du in diesen Gesprächen das Unternehmen und dessen Kultur besser kennen. Vielleicht überzeugt es dich schließlich so, dass die Lust auf einen Neuanfang größer ist als deine Sorge.

 

Absagen kannst du immer noch.